Geplante Obsoleszenz
Thema: Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft & ESG · Aktualisiert: 10/2026
Der Akku hält nicht mehr, Ersatzteile gibt es nicht, Updates bleiben aus: Viele Geräte werden ausgetauscht, obwohl sie im Kern noch funktionieren. Oft fällt dann der Vorwurf der geplanten Obsoleszenz. Hier lesen Sie, was der Begriff bedeutet, was belegt ist und wie die EU gegensteuert.
Kurz erklärt
Geplante Obsoleszenz ist die bewusste Verkürzung der Lebensdauer eines Produkts durch den Hersteller, damit Kunden früher ein neues kaufen. Im weiteren Sinn umfasst der Begriff alle Gründe, aus denen Geräte vorzeitig unbrauchbar oder unattraktiv werden – technisch, funktional, wirtschaftlich oder psychologisch. Für die IT ist das Thema wichtig, weil eine längere Nutzung und Wiederverwendung von Hardware Kosten und Ressourcen spart.
Formen der Obsoleszenz
Obsoleszenz bedeutet „Veralten“. Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamts unterscheidet vier Formen. Sie zeigt auch: Nicht jede kurze Lebensdauer beruht auf Absicht.
| Form | Bedeutung | Beispiel aus der IT |
|---|---|---|
| Werkstofflich | Bauteile verschleißen oder versagen | Akku verliert Kapazität, Scharniere brechen |
| Funktional | Gerät erfüllt neue Anforderungen nicht mehr | Keine Updates, neue Software braucht mehr Leistung |
| Psychologisch | Gerät wirkt veraltet, obwohl es funktioniert | Neues Modell, neues Design |
| Ökonomisch | Reparatur lohnt sich nicht | Ersatzteil teurer als ein Neugerät |
Die Studie von 2016 fand keinen Nachweis, dass Hersteller systematisch gezielte Schwachstellen einbauen. Sie zeigte aber, dass Kostendruck, fehlende Ersatzteile, kurze Update-Zeiträume und Kaufverhalten die Nutzungsdauer deutlich verkürzen. Ein oft genanntes historisches Beispiel ist ein Kartell von Glühlampenherstellern, das in den 1920er-Jahren die Lebensdauer seiner Lampen auf 1.000 Stunden begrenzte.
Was die EU dagegen tut
Stand: 10/2026. Mehrere EU-Regeln sollen Geräte langlebiger und reparierbarer machen:
- Ökodesign für Smartphones und Tablets: Seit 20. Juni 2025 gelten unter anderem Pflichten zu Ersatzteilen über sieben Jahre und Betriebssystem-Updates über mindestens fünf Jahre nach Ende des Inverkehrbringens.
- Ökodesign-Verordnung (ESPR): Der Rahmen erlaubt Anforderungen an Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Aufrüstbarkeit für weitere Produktgruppen.
- Recht auf Reparatur: Die EU-Richtlinie 2024/1799 war bis 31. Juli 2026 in nationales Recht umzusetzen. Sie verpflichtet Hersteller bestimmter Produktgruppen, Reparaturen anzubieten.
In Frankreich ist geplante Obsoleszenz seit 2015 sogar strafbar. In Deutschland gibt es keinen eigenen Straftatbestand.
Bedeutung für Unternehmen
Unternehmen können Obsoleszenz nicht abschaffen, aber ihre Folgen begrenzen. Wer beim Einkauf auf Reparierbarkeit, Ersatzteile und lange Updates achtet, nutzt Geräte länger. Wer Hardware nach dem Austausch nicht entsorgt, sondern aufbereiten lässt, gibt ihr ein zweites Leben. So wird aus dem End of Life im eigenen Unternehmen ein neuer Nutzungszyklus bei einem anderen. Geräte, die als Refurbished zurück in den Markt gehen, ersetzen Neuware. Mehr Gedanken dazu im Beitrag Nachhaltige IT-Strategie gegen die Wegwerfkultur.
Bezug zu Second IT
Second IT setzt auf Wiederverwendung vor Recycling. Geräte werden geprüft, repariert und aufbereitet – etwa durch Austausch von Akkus, Lüftern oder Festplatten – und anschließend über Online-Shop und Store wiedervermarktet. Über 180.000 Geräte hat Second IT bereits wiederaufbereitet. Mehr zum Refurbishment bei Second IT.
Häufige Fragen zur geplanten Obsoleszenz
Gibt es geplante Obsoleszenz wirklich?
Gezielt eingebaute Schwachstellen sind schwer nachzuweisen. Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamts fand dafür 2016 keinen systematischen Beleg. Gut belegt ist aber, dass fehlende Ersatzteile, kurze Updates und hohe Reparaturkosten Geräte vorzeitig aus der Nutzung drängen.
Ist geplante Obsoleszenz verboten?
In Frankreich ist sie seit 2015 strafbar. In Deutschland gibt es kein ausdrückliches Verbot. Die EU setzt stattdessen auf Pflichten zu Reparierbarkeit, Ersatzteilen und Updates (Stand: 10/2026).
Was können Unternehmen gegen Obsoleszenz tun?
Langlebige, reparierbare Geräte kaufen, Updates und Ersatzteile im Einkauf berücksichtigen, Geräte reparieren statt ersetzen und ausgemusterte Hardware aufbereiten lassen, statt sie zu entsorgen.
Verwandte Begriffe
Ausgemusterte IT aufbereiten lassen statt entsorgen.
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