Löschverfahren & Löschstandards
Wer alte Notebooks, Server oder Smartphones weitergeben will, muss vorher die Daten entfernen. Einfaches Löschen oder Formatieren reicht dafür nicht – die Dateien sind danach oft noch lesbar. Sichere Löschmethoden sorgen dafür, dass sich Daten nicht mehr wiederherstellen lassen. Das Gerät selbst bleibt dabei nutzbar und behält seinen Wert.
In diesem Thema finden Sie die wichtigsten Begriffe rund um Löschverfahren und Löschstandards. Dazu gehören Verfahren wie Überschreiben, Secure Erase oder Crypto Erase, Normen wie NIST SP 800-88 und DIN 66398 sowie Nachweise wie Löschprotokoll und Löschzertifikat. Auch technische Besonderheiten werden erklärt: Warum SSDs anders gelöscht werden als Festplatten und was versteckte Bereiche wie HPA und DCO sind.
Das Glossar richtet sich an IT-Leitung, Datenschutzbeauftragte, Einkauf und alle, die einen Hardware-Tausch planen. Die Einträge sind kurz und erklären Fachwörter in einfacher Sprache.
Kurz erklärt
Löschmethoden entfernen Daten so, dass sie sich nicht wiederherstellen lassen. Welches Verfahren passt, hängt vom Speichermedium ab: Festplatten werden meist überschrieben, SSDs über Befehle der Firmware oder kryptografisch gelöscht. Ein Löschzertifikat je Gerät belegt das Ergebnis.
Die Begriffe im Überblick
- Data Sanitization (Bereinigung von Datenträgern)Data Sanitization (deutsch: Bereinigung von Datenträgern) ist der Oberbegriff für Verfahren, die Daten auf einem Speichermedium so entfernen, dass sie mit …
- DegaussingDegaussing (Entmagnetisieren) ist ein Verfahren, das Daten auf magnetischen Datenträgern mit einem starken Magnetfeld unlesbar macht. Ein Gerät namens …
- NIST SP 800-88NIST SP 800-88 ist eine Richtlinie des US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST) für das sichere Bereinigen von Datenträgern …
- BSI-Richtlinie TL-03420Die BSI-Richtlinie TL-03420 ist eine Technische Leitlinie des BSI mit Vorgaben für das Löschen und Vernichten schutzbedürftiger Informationen auf analogen und …
- Crypto EraseCrypto Erase (kryptografische Löschung) macht Daten unlesbar, indem der Schlüssel gelöscht oder ersetzt wird, mit dem ein Laufwerk alle Daten verschlüsselt. …
- DIN 66398DIN 66398 ist eine deutsche Norm mit dem Titel „Leitlinie zur Entwicklung eines Löschkonzepts mit Ableitung von Löschfristen für personenbezogene Daten“. Sie …
- DoD 5220.22-MDoD 5220.22-M ist die Kennung des „National Industrial Security Program Operating Manual“ des US-Verteidigungsministeriums. In der Datenlöschung steht der Name …
- Factory Reset (Werksreset)Ein Factory Reset (Werksreset) setzt ein Gerät auf den Auslieferungszustand zurück, indem Benutzerkonten, Einstellungen, Apps und Daten entfernt werden. Wie …
- FestplattenverschlüsselungFestplattenverschlüsselung (Full Disk Encryption) verschlüsselt den gesamten Inhalt eines Datenträgers, sodass er ohne Schlüssel oder Passwort nicht lesbar …
- LöschzertifikatEin Löschzertifikat ist ein Nachweis, der bestätigt, dass die Daten auf einem bestimmten Datenträger oder Gerät mit einem benannten Verfahren gelöscht wurden. …
- Secure Erase (ATA)Secure Erase ist ein in die Firmware von ATA- und SATA-Laufwerken eingebauter Löschbefehl (SECURITY ERASE UNIT), mit dem das Laufwerk seine Nutzerdaten selbst …
- Überschreiben (Overwriting)Überschreiben (Overwriting) ist ein softwarebasiertes Löschverfahren, bei dem alle Speicherbereiche eines Datenträgers mit neuen Daten wie Nullen oder …
- Block EraseBlock Erase ist ein Löschverfahren für Flash-Speicher wie SSDs, bei dem die Firmware des Laufwerks ganze Speicherblöcke elektrisch in den gelöschten Zustand …
- Datei-ShredderEin Datei-Shredder ist ein Programm, das einzelne Dateien oder Ordner nicht nur löscht, sondern ihren Speicherplatz vorher überschreibt, damit sie sich nicht …
- DatenremanenzDatenremanenz (englisch: data remanence) bezeichnet Datenreste, die auf einem Speichermedium zurückbleiben, nachdem Daten scheinbar gelöscht wurden. Sie …
- Device Configuration Overlay (DCO)Ein Device Configuration Overlay (DCO) ist eine Funktion des ATA-Standards, mit der sich die Kapazität und die angezeigten Fähigkeiten einer Festplatte …
- Enhanced Secure EraseEnhanced Secure Erase ist die erweiterte Variante des ATA-Befehls „Security Erase Unit“, mit dem ein Laufwerk sich selbst löscht. Anders als die normale …
- Firmware-basierte LöschungFirmware-basierte Löschung bezeichnet Löschverfahren, die nicht von einer Software im Betriebssystem, sondern von der eingebauten Steuersoftware des Laufwerks …
- Gutmann-MethodeDie Gutmann-Methode ist ein Überschreibverfahren, bei dem eine Festplatte in 35 Durchgängen mit festgelegten und zufälligen Mustern beschrieben wird. Sie geht …
- Host Protected Area (HPA)Die Host Protected Area (HPA) ist ein Bereich am Ende einer ATA- oder SATA-Festplatte, der vor dem Betriebssystem verborgen wird, indem das Laufwerk eine …
- IEEE 2883IEEE 2883 ist ein internationaler Standard des Institute of Electrical and Electronics Engineers für das Bereinigen von Speichermedien („Standard for …
- LUN-Löschung (Storage)Eine LUN-Löschung ist das sichere Überschreiben eines logischen Laufwerks (Logical Unit Number, LUN) in einem Speichersystem, ohne das gesamte System …
- LöschkonzeptEin Löschkonzept ist ein dokumentiertes Regelwerk, das festlegt, welche Daten ein Unternehmen wann, von wem und auf welche Weise löscht. Es verbindet …
- LöschprotokollEin Löschprotokoll ist die Dokumentation einer Datenlöschung, die für einen bestimmten Datenträger festhält, wann, womit und mit welchem Ergebnis gelöscht …
- LöschsoftwareLöschsoftware ist ein Programm, das Daten auf Datenträgern so entfernt, dass sie nicht wiederhergestellt werden können, und den Vorgang protokolliert. …
- LöschverifikationLöschverifikation ist die Prüfung, ob ein Löschvorgang auf einem Datenträger vollständig und fehlerfrei abgeschlossen wurde. Sie wertet den Status des …
- NVMe Format und NVMe SanitizeNVMe Format und NVMe Sanitize sind Befehle des NVMe-Standards, mit denen eine NVMe-SSD ihre gespeicherten Daten selbst löscht. Format mit Löschoption entfernt …
- Neutralisierung von IT-HardwareNeutralisierung von IT-Hardware bedeutet, alle Merkmale zu entfernen, die ein gebrauchtes Gerät seinem früheren Besitzer zuordnen, etwa Inventaraufkleber …
- Over-ProvisioningOver-Provisioning ist ein Reservebereich im Flash-Speicher einer SSD, den der Controller intern nutzt und auf den Betriebssystem und Nutzer keinen direkten …
- Reallokierte SektorenReallokierte Sektoren (englisch: Reallocated Sectors) sind Speicherbereiche einer Festplatte, die der Laufwerks-Controller wegen Lese- oder Schreibfehlern aus …
- RegellöschfristDie Regellöschfrist ist der Zeitraum, nach dem eine bestimmte Art personenbezogener Daten im Normalfall gelöscht wird, gerechnet ab einem festgelegten …
- Sanitize-Befehl (ATA/SCSI)Der Sanitize-Befehl ist ein in ATA-, SCSI- und NVMe-Standards definierter Firmware-Befehl, mit dem ein Laufwerk alle Nutzerdaten in sämtlichen …
- SchnellformatierungEine Schnellformatierung legt auf einem Datenträger ein neues, leeres Dateisystem an, ohne die gespeicherten Daten selbst zu überschreiben. Das Laufwerk …
- TRIMTRIM ist ein Befehl, mit dem das Betriebssystem einer SSD mitteilt, welche Datenblöcke nicht mehr benötigt werden, etwa nach dem Löschen einer Datei. Die SSD …
- VSITRVSITR steht für die „Richtlinien zur Behandlung von Verschlusssachen in der Informationstechnik“ (VS-IT-Richtlinien), die das Bundesinnenministerium 1998 …
- Wear LevelingWear Leveling (deutsch: Verschleißausgleich) ist ein Verfahren in SSDs, USB-Sticks und Speicherkarten, das Schreibvorgänge gleichmäßig auf alle …
So hängt alles zusammen
- Ein Löschkonzept legt fest, welche Daten wann und wie gelöscht werden – einschließlich der Regellöschfristen.
- Das Verfahren richtet sich nach dem Speichermedium: bei Festplatten meist Überschreiben, bei SSDs Secure Erase, NVMe Sanitize oder Crypto Erase.
- Eine Löschsoftware erfasst auch versteckte Bereiche wie die Host Protected Area (HPA) und das Device Configuration Overlay (DCO).
- Standards wie NIST SP 800-88 ordnen das Ergebnis ein: Clear, Purge oder Destroy. Zusammen ergibt das die Data Sanitization.
- Die Löschverifikation prüft, ob wirklich alle Bereiche gelöscht sind.
- Löschprotokoll und Löschzertifikat dokumentieren jedes Gerät. Lässt sich ein Datenträger nicht löschen, folgt die Vernichtung.
Passende Leistung
Zertifizierte Datenlöschung: Second IT löscht Datenträger revisionssicher mit Blancco – auch versteckte Bereiche wie HPA und DCO. Für jedes Gerät gibt es ein digital signiertes Löschzertifikat.
Löschsoftware von Blancco: Als Blancco ITAD Gold Partner setzt Second IT Blancco Drive Eraser ein. Die Seite zeigt, welche Geräte und Löschstandards die Software abdeckt.
Ratgeber
- Formatiert ist nicht gelöscht: Festplatten & SSDs sicher löschen
- Daten weg, Wert bleibt: Warum zertifizierte Datenlöschung Gold wert ist
- Vernichtungszertifikat und Löschprotokoll: Was drinstehen muss
Häufige Fragen
Reicht Formatieren, um Daten sicher zu löschen?
Nein. Eine Schnellformatierung entfernt meist nur das Inhaltsverzeichnis des Datenträgers. Die Daten selbst bleiben oft lesbar und lassen sich mit einfachen Werkzeugen wiederherstellen.
Warum werden SSDs anders gelöscht als Festplatten?
SSDs verteilen Schreibvorgänge per Wear Leveling und haben Reservebereiche, die von außen nicht erreichbar sind. Deshalb nutzt man bei SSDs Firmware-Befehle wie Secure Erase oder Sanitize oder eine kryptografische Löschung statt reinem Überschreiben.
Was ist der Unterschied zwischen Löschprotokoll und Löschzertifikat?
Das Löschprotokoll hält technisch fest, wie ein Datenträger gelöscht wurde. Das Löschzertifikat bestätigt das Ergebnis je Gerät, etwa mit Seriennummer, Verfahren und Datum, und dient als Nachweis bei Audits.
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