Wenn Unternehmen über ihren CO₂-Fußabdruck sprechen, geht es meist um Heizung, Fuhrpark und Strom. Die IT taucht als Stromverbrauch im Rechenzentrum auf – und damit ist das Thema oft erledigt. Dabei steckt ein großer Teil des Fußabdrucks von Notebooks, Smartphones und Servern nicht im Betrieb, sondern in ihrer Herstellung. Genau das macht IT-Hardware zu einem Thema für Scope 3 und für Ihr Nachhaltigkeitsreporting.
Das Wichtigste in Kürze
- Scope-3-Emissionen sind indirekte Emissionen in Ihrer Lieferkette – bei IT-Hardware vor allem aus Herstellung und Entsorgung.
- Der größte Hebel liegt in der längeren Nutzung: Jedes Gerät, das ein zweites Leben bekommt, ersetzt eine Neuproduktion.
- Für CSRD- und ESG-Berichte brauchen Sie belastbare Daten: Mengen, Verwertungswege, Recycling- und Entsorgungsnachweise.
- Auch Unternehmen, die nicht selbst berichtspflichtig sind, werden zunehmend von großen Kunden nach diesen Daten gefragt.
Was Scope 1, 2 und 3 bedeuten
Das Greenhouse Gas Protocol, der international verbreitete Standard für Treibhausgasbilanzen, teilt Emissionen in drei Bereiche:
| Bereich | Was gehört dazu? | Beispiel aus der IT |
|---|---|---|
| Scope 1 | Direkte Emissionen aus eigenen Anlagen | Notstromaggregat im Rechenzentrum |
| Scope 2 | Indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie | Strom für Server, Kühlung und Arbeitsplätze |
| Scope 3 | Alle übrigen indirekten Emissionen in der Wertschöpfungskette | Herstellung neuer Notebooks, Transport, Entsorgung von Altgeräten |
Innerhalb von Scope 3 gibt es 15 Kategorien. Für IT-Hardware sind vor allem drei relevant:
- Kategorie 1 – eingekaufte Waren und Dienstleistungen: etwa Zubehör und Verbrauchsmaterial.
- Kategorie 2 – Investitionsgüter: Notebooks, PCs, Server und Netzwerktechnik, die aktiviert werden.
- Kategorie 5 – Abfall aus dem Betrieb: die Entsorgung Ihrer Altgeräte.
Warum die Herstellung so stark ins Gewicht fällt
Für die Produktion von IT-Geräten werden Metalle, seltene Rohstoffe, Wasser und viel Energie benötigt. Das Umweltbundesamt hat ein anschauliches Beispiel berechnet: Ein neues Notebook, das 10 % energieeffizienter ist als das alte, müsste über 80 Jahre genutzt werden, bis sein energetischer Herstellungsaufwand ausgeglichen ist. Nach Angaben des Verbands Deutscher Gewässerschutz fallen für die Herstellung eines einzigen PCs bis zu 20.000 Liter Wasser an.
Daraus folgt eine einfache Erkenntnis: Bei IT-Hardware ist nicht der Betrieb der größte Klimafaktor, sondern der Kauf eines neuen Geräts.
Das grünste Notebook ist das, das nicht neu produziert werden muss.
CSRD und ESRS: Was das für die IT heißt
Die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und die zugehörigen Standards (ESRS) verlangen von berichtspflichtigen Unternehmen Angaben zu Klima und Kreislaufwirtschaft. Für die IT sind besonders zwei Themen wichtig:
- ESRS E1 – Klimawandel: Treibhausgasemissionen, auch in Scope 3.
- ESRS E5 – Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft: Was Sie einkaufen, wie lange Sie es nutzen und was danach damit passiert.
Mit dem sogenannten Omnibus-Paket hat die EU Fristen verschoben und den Kreis der direkt berichtspflichtigen Unternehmen deutlich verkleinert. Wie die Regeln für Ihr Unternehmen aktuell aussehen, sollten Sie mit Ihrer Wirtschaftsprüfung oder Nachhaltigkeitsberatung klären.
Unabhängig davon gilt: Große Unternehmen fragen ihre Lieferanten zunehmend nach Nachhaltigkeitsdaten. Wer belastbare Zahlen zu seiner IT liefern kann, ist im Vorteil – auch ohne eigene Berichtspflicht.
Fünf Hebel für eine bessere IT-Bilanz
1. Länger nutzen
Jedes zusätzliche Nutzungsjahr verteilt den Herstellungsaufwand auf mehr Zeit. Reparaturen und Aufrüstungen, etwa mehr Arbeitsspeicher oder eine größere SSD, verlängern die Lebensdauer.
2. Wiederverwenden statt recyceln
Wenn Geräte bei Ihnen ausgedient haben, ist eine zweite Nutzung bei einem anderen Anwender der nächstbeste Weg. Recycling holt Rohstoffe zurück, aber der Energieaufwand der Herstellung ist dabei verloren.
3. Refurbished einkaufen
Nicht jeder Arbeitsplatz braucht das neueste Modell. Professionell aufbereitete Geräte können eine Alternative für Schulungsräume, Lager, Poolgeräte oder Zweitarbeitsplätze sein.
4. Transport und Verpackung optimieren
Direkte Fahrten statt Umwege, Mehrweg statt Einweg: Auch die Logistik der Ausmusterung zählt.
5. Messen und dokumentieren
Ohne Daten kein Bericht. Halten Sie fest, wie viele Geräte Sie ausmustern, wie viele wiederverwendet und wie viele recycelt werden.
Welche Daten Sie für Ihren Bericht brauchen
Wenn Sie Ihre Altgeräte über einen Dienstleister verwerten, sollten Sie diese Informationen anfordern:
- Anzahl und Art der übergebenen Geräte, idealerweise mit Seriennummern
- Anteil der wiederverwendeten Geräte und Komponenten
- Anteil der recycelten Geräte und Materialien
- Recycling- und Entsorgungsnachweise nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz
- Angaben zur Transportlogistik
- Eine Umweltbilanz, die die Wirkung der Wiederverwendung darstellt
Ein Hinweis zur Methodik: Wie eingesparte Emissionen aus Wiederverwendung in Ihrem Bericht dargestellt werden dürfen, regeln die jeweiligen Standards. In der Regel werden vermiedene Emissionen getrennt von Ihrer eigenen Bilanz ausgewiesen und nicht einfach abgezogen. Stimmen Sie die Darstellung mit Ihrer Nachhaltigkeitsberatung ab.
Praktisch heißt das: Vereinbaren Sie mit Ihrem Verwertungspartner schon vor der ersten Abholung, welche Kennzahlen Sie zum Jahresende brauchen. Dann lassen sich die Daten im laufenden Prozess sammeln, statt sie später mühsam zu rekonstruieren.
So unterstützt Second IT Ihr Nachhaltigkeitsreporting
- Bestandsanalyse: Wir bewerten Ihre Geräte nach Zustand und Marktwert und identifizieren, was wiederverwendet werden kann.
- Sichere Abholung: Mit eigener Sicherheitslogistik. Unser Versand ist dank DHL GoGreen CO₂-neutral, in der Logistik setzen wir auf Mehrwegverpackungen.
- Zertifizierte Löschung: Mit Blancco und mit Ökostrom, unter anderem aus unserer eigenen Solaranlage mit rund 100 kWp.
- Wiederverwendung vor Recycling: Aufbereitung in unserer Zentrale. Über 180.000 Geräte haben wir bereits wiederaufbereitet.
- Fachgerechtes Recycling: Was nicht wiederverwendet werden kann, entsorgen wir als zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb.
- Nachweise: Recycling- und Entsorgungszertifikate für Ihr CSR- und ESG-Reporting sowie eine jährliche, individuelle Umweltbilanz.
Unser Umweltmanagement ist nach ISO 14001 zertifiziert. Mehr dazu auf den Seiten Nachhaltigkeit und Entsorgung. Einen Selbsttest für Entscheider bietet unser Beitrag Wie grün ist Ihre IT wirklich?.
Typische Fehler im IT-Nachhaltigkeitsreporting
- Nur den Strom betrachten: Wer IT ausschließlich über den Energieverbrauch bewertet, übersieht den großen Anteil aus der Herstellung.
- Entsorgung als schwarzes Loch: Altgeräte werden abgegeben, aber niemand weiß, wie viele wiederverwendet und wie viele recycelt wurden.
- Datenschutz gegen Nachhaltigkeit ausspielen: Aus Sorge um Daten wird alles geschreddert. Mit zertifizierter Löschung ist beides möglich – Sicherheit und Wiederverwendung.
- Nachweise zu spät anfordern: Wer erst beim Jahresbericht nach Zahlen fragt, findet oft nur Rechnungen. Legen Sie die benötigten Daten schon bei der Beauftragung fest.
Der IT-Kreislauf in sechs Stationen
Ein nachhaltiger Hardware-Lebenszyklus sieht so aus: Beschaffung mit Blick auf Langlebigkeit, lange Nutzung mit Reparatur und Aufrüstung, sichere Rückführung, zertifizierte Löschung, Wiederverwendung durch einen Zweitnutzer und erst am Ende das Recycling. Jede Station, die Sie verlängern, verbessert die Bilanz. Und jede Station, die Sie dokumentieren, liefert Zahlen für Ihren Bericht.
Häufige Fragen zu Scope 3 und IT-Hardware
Gehört IT-Hardware zu Scope 3?
Ja. Die Emissionen aus der Herstellung eingekaufter Hardware zählen zu Scope 3, meist in der Kategorie Investitionsgüter. Die Entsorgung Ihrer Altgeräte fällt in die Kategorie Abfall aus dem Betrieb. Der Stromverbrauch im Betrieb gehört dagegen zu Scope 2. Bei IT-Geräten ist der Anteil aus der Herstellung oft besonders hoch.
Verbessert der Verkauf gebrauchter IT meine CO₂-Bilanz?
Die Wiederverwendung vermeidet Neuproduktion und damit Emissionen beim nächsten Nutzer. Wie das in Ihrem Bericht dargestellt werden darf, regeln die jeweiligen Standards. Meist werden vermiedene Emissionen getrennt ausgewiesen. Direkt wirkt sich aus, dass Ihre Altgeräte nicht als Abfall, sondern als Wiederverwendung dokumentiert werden.
Welche Nachweise brauche ich für mein ESG-Reporting?
Hilfreich sind Mengenangaben zu ausgemusterten Geräten, Angaben zur Wiederverwendung und zum Recycling sowie Entsorgungsnachweise. Eine Umweltbilanz Ihres Verwertungspartners kann die Wirkung zusätzlich darstellen. Wichtig ist, dass die Daten nachvollziehbar und prüfbar sind. Fordern Sie diese Unterlagen schon bei der Beauftragung an.
Muss mein Unternehmen nach der CSRD berichten?
Das hängt von Größe, Rechtsform und dem aktuellen Stand der EU- und nationalen Regeln ab. Mit dem Omnibus-Paket wurden Fristen verschoben und der Anwendungsbereich verkleinert. Klären Sie Ihre Pflichten mit Ihrer Wirtschaftsprüfung. Auch ohne eigene Pflicht können Kunden Nachhaltigkeitsdaten von Ihnen verlangen.
Was ist der Unterschied zwischen Wiederverwendung und Recycling?
Bei der Wiederverwendung wird ein Gerät nach Löschung und Aufbereitung weiter genutzt, der Herstellungsaufwand bleibt also erhalten. Beim Recycling wird das Gerät zerlegt, und Rohstoffe wie Metalle werden zurückgewonnen. Recycling ist besser als Entsorgung, aber Wiederverwendung spart deutlich mehr Ressourcen. Deshalb gilt der Grundsatz: Wiederverwendung vor Recycling.
Weniger Elektroschrott, bessere Zahlen, saubere Nachweise.
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