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Datenträger

Thema: Datenträgervernichtung & DIN 66399 · Aktualisiert: 10/2026

Bei „Datenträger“ denken die meisten an Festplatten und USB-Sticks. Bei der Ausmusterung von IT stecken Datenträger aber auch in Druckern, Smartphones, Routern und Servern – oft dort, wo niemand sie vermutet. Dieser Glossar-Eintrag erklärt, was ein Datenträger ist, welche Arten es gibt und wie Sie sie beim Ausmustern sicher löschen oder vernichten.

Kurz erklärt

Ein Datenträger ist ein Medium, auf dem Informationen dauerhaft gespeichert werden, zum Beispiel eine Festplatte, eine SSD, ein USB-Stick, eine DVD oder ein Magnetband. Je nach Technik speichert er Daten magnetisch, elektronisch oder optisch. Bei der IT-Ausmusterung muss jeder Datenträger erfasst und anschließend nachweisbar gelöscht oder vernichtet werden, weil gelöschte Dateien sonst oft wiederherstellbar sind.

Was ist ein Datenträger?

Ein Datenträger speichert Informationen so, dass sie auch ohne Strom erhalten bleiben. Das unterscheidet ihn vom Arbeitsspeicher (RAM), der seinen Inhalt beim Ausschalten verliert. Fachleute sprechen auch von Speichermedium. Im weiteren Sinn ist auch Papier ein Datenträger, denn auch dort stehen Informationen dauerhaft.

Für den Datenschutz ist nicht entscheidend, wie ein Datenträger aussieht, sondern was auf ihm liegt. Enthält er personenbezogene Daten, gelten die Schutzpflichten der DSGVO, bis die Daten nachweislich entfernt sind. Das betrifft auch Datenträger, die fest in einem Gerät verbaut sind.

Arten von Datenträgern

Die Norm DIN 66399 teilt Datenträger für die Vernichtung in sechs Materialklassen ein. Die Einteilung hilft auch beim Löschen, weil jede Technik eigene Verfahren braucht.

Speichertechnik Beispiele Materialklasse DIN 66399
Magnetische Festplatten HDD in PCs, Servern, Druckern und NAS-Systemen H
Elektronische Speicher (Flash) SSD, USB-Stick, Speicherkarte, eMMC in Smartphones und Tablets, Chipkarten E
Weitere magnetische Datenträger Magnetband (LTO), Disketten, Magnetstreifenkarten T
Optische Datenträger CD, DVD, Blu-ray O
Filme Mikrofilm, Folien F
Papier Ausdrucke, Akten P

Wichtig für die IT: Eine HDD gehört in die Klasse H, eine SSD in die Klasse E. Auf einem Flash-Chip passen auf kleinster Fläche große Datenmengen. Deshalb verlangt die Norm für elektronische Datenträger deutlich kleinere Partikel als für Festplatten.

Versteckte Datenträger in Geräten

Viele Geräte enthalten Datenträger, die im Alltag niemand wahrnimmt. Bei der Ausmusterung werden sie leicht übersehen:

  • Multifunktionsdrucker und Kopierer: speichern gescannte und gedruckte Dokumente oft auf einer internen Festplatte oder SSD.
  • Smartphones und Tablets: haben fest verlöteten Flash-Speicher mit E-Mails, Kontakten und Chatverläufen.
  • Netzwerkgeräte: Router, Switches und Firewalls speichern Konfigurationen, Zugangsdaten und Schlüssel im Flash-Speicher.
  • Server und Speichersysteme: enthalten oft viele Laufwerke, dazu Boot-Medien und Speicherkarten auf dem Mainboard.
  • Zubehör: USB-Sticks in Schubladen, externe Backup-Festplatten und Speicherkarten in Kameras.

Auch innerhalb eines Laufwerks gibt es versteckte Bereiche. Festplatten können Speicherplatz vor dem Betriebssystem verbergen, etwa über eine Host Protected Area. SSDs halten Reserveblöcke vor, die normale Software nicht erreicht. Daten, die trotz Löschversuchen zurückbleiben, nennt man Datenremanenz.

Merksatz: Ein Datenträger, der nicht erfasst ist, wird auch nicht gelöscht. Sicherheit beginnt bei der vollständigen Liste.

Was beim Ausmustern zu beachten ist

Für jeden Datenträger gibt es zwei sichere Wege: zertifiziert löschen oder physisch vernichten. Welcher passt, hängt vom Zustand und vom Schutzbedarf der Daten ab.

  • Löschen: Funktionsfähige Datenträger lassen sich mit geprüfter Software so überschreiben oder bereinigen, dass die Daten nicht mehr rekonstruierbar sind. Das Gerät bleibt nutzbar und kann weiterverkauft werden.
  • Vernichten: Defekte oder nicht löschbare Datenträger werden nach DIN 66399 zerkleinert. Die passende Stufe ergibt sich aus Schutzklasse und Materialklasse, bei Festplatten mit sensiblen Daten häufig Sicherheitsstufe H-5.

Formatieren, Werksreset oder das Löschen von Dateien reichen nicht. Diese Schritte entfernen meist nur Verweise, nicht die Daten selbst. Für beide Wege brauchen Sie einen Nachweis je Seriennummer. Nur so lässt sich die Chain of Custody lückenlos belegen.

Beispiel: Auflösung eines Serverraums

Ein vereinfachtes Beispiel zeigt, wie viele Datenträger in einem kleinen Bestand stecken. Ein Unternehmen löst einen Serverraum auf: drei Server, ein Speichersystem, zwei Switches, eine Firewall und ein Schrank mit Backup-Bändern.

  1. Die IT listet alle Geräte mit Seriennummer auf und zählt die Laufwerke je Server und Speichersystem.
  2. Bei der Bestandsaufnahme fallen zusätzlich Boot-Speicherkarten in den Servern und eine Kiste mit USB-Sticks auf.
  3. Funktionsfähige Laufwerke werden zertifiziert gelöscht. Zwei defekte Festplatten und alle Bänder werden vernichtet.
  4. Die Konfigurationen der Netzwerkgeräte werden zurückgesetzt und die Geräte geprüft.
  5. Am Ende liegt für jeden Datenträger ein Lösch- oder Vernichtungszertifikat vor.

Ohne die zweite Prüfung wären Speicherkarten und USB-Sticks unbemerkt geblieben.

Datenträger bei Second IT

Second IT prüft im Wareneingang jedes angelieferte Gerät auf alle Speichermedien – auch auf vergessene USB-Sticks oder versteckte Datenträger – und registriert sie per Seriennummer. Funktionsfähige HDDs und SSDs werden mit Blancco gelöscht, auch versteckte Bereiche wie HPA und DCO. Für jedes Gerät gibt es ein digital signiertes Löschzertifikat. Datenträger, die sich aus technischen Gründen nicht revisionssicher löschen lassen, werden im eigenen Haus nach DIN 66399 vernichtet, zertifiziert für Sicherheitsstufe H-5, videoüberwacht und mit Vernichtungszertifikat. Vor der Vernichtung lagern sie in Sicherheitszonen mit kontrolliertem Zugang. Mehr zur Datenträgervernichtung im eigenen Haus.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

„Datenträger“ ist der Oberbegriff. „Speichermedium“ wird meist gleichbedeutend verwendet. Ein Laufwerk ist genau genommen das Gerät, das einen Datenträger liest und beschreibt; bei Festplatten und SSDs bilden beide eine Einheit. Ein Endgerät wie ein Notebook ist kein Datenträger, enthält aber einen oder mehrere. Für kleine Flash-Datenträger gibt es einen eigenen Eintrag zum Thema USB-Stick vernichten. Welche DSGVO-Pflichten bei der Entsorgung von Datenträgern gelten, erklärt unser Ratgeber Datenträger nach DSGVO entsorgen. Welche Vernichtungsstufe Ihre Datenträger brauchen, lesen Sie im Ratgeber zur DIN 66399.

Häufige Fragen zu Datenträgern

Was ist ein Datenträger einfach erklärt?

Ein Datenträger ist alles, worauf Informationen dauerhaft gespeichert werden, zum Beispiel eine Festplatte, eine SSD, ein USB-Stick, eine DVD oder ein Blatt Papier. Die Daten bleiben auch ohne Strom erhalten.

Ist eine SSD ein Datenträger wie eine Festplatte?

Ja, aber mit anderer Technik. Eine Festplatte speichert magnetisch auf rotierenden Scheiben, eine SSD elektronisch in Flash-Chips. Deshalb gelten für das Löschen andere Verfahren und für die Vernichtung eine andere Materialklasse.

Welche Geräte enthalten versteckte Datenträger?

Häufig übersehen werden Multifunktionsdrucker, Kopierer, Smartphones, Tablets, Router, Firewalls und Speicherkarten in Servern. Prüfen Sie bei jeder Ausmusterung, ob ein Gerät Daten speichern kann.

Reicht es, einen Datenträger zu formatieren?

Nein. Beim Formatieren werden meist nur die Verzeichnisstrukturen neu angelegt. Die Daten selbst bleiben oft lesbar und lassen sich mit einfachen Werkzeugen wiederherstellen. Sicher sind nur geprüfte Löschverfahren oder die Vernichtung.

Löschen oder vernichten – was ist besser?

Beides kann sicher sein. Funktionsfähige Datenträger zertifiziert zu löschen ermöglicht die Weiternutzung des Geräts. Defekte oder nicht löschbare Datenträger werden nach DIN 66399 vernichtet. Entscheidend ist der Nachweis je Seriennummer.

Jeder Datenträger erfasst, gelöscht oder vernichtet – mit Zertifikat je Seriennummer.

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