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Degaussing

Thema: Löschverfahren & Löschstandards · Aktualisiert: 10/2026

Ein starkes Magnetfeld, ein kurzer Impuls, und die Daten auf einer Festplatte sind weg – so wird Degaussing oft beschrieben. Ganz so einfach ist es nicht. Ob ein Degausser wirklich wirkt, hängt vom Datenträger und von der Feldstärke des Geräts ab. Bei SSDs wirkt er gar nicht. Dieser Glossar-Eintrag erklärt, wie das Entmagnetisieren funktioniert, wo es eingesetzt wird und wo seine Grenzen liegen.

Kurz erklärt

Degaussing (Entmagnetisieren) ist ein Verfahren, das Daten auf magnetischen Datenträgern mit einem starken Magnetfeld unlesbar macht. Ein Gerät namens Degausser zerstört dabei die magnetische Ausrichtung, in der die Daten gespeichert sind. Für Festplatten (HDD) und Magnetbänder kann es eine Option sein, für SSDs, USB-Sticks und andere Flash-Speicher ist es wirkungslos.

Was ist Degaussing?

Magnetische Datenträger speichern Informationen als winzige magnetisierte Bereiche. Ihre Ausrichtung steht für Nullen und Einsen. Beim Degaussing wird der Datenträger einem Magnetfeld ausgesetzt, das stärker ist als die Kraft, mit der diese Bereiche ihre Ausrichtung halten. Diese Kraft heißt Koerzitivfeldstärke oder kurz Koerzitivität. Ist das Feld stark genug, geht die Ordnung verloren, und die gespeicherten Daten lassen sich nicht mehr auslesen.

Der Name geht auf die Einheit Gauß zurück, mit der man magnetische Flussdichte misst. „De-gauss“ heißt also sinngemäß „entmagnetisieren“. Ein Degausser ist das Gerät dafür. Es gibt Bauarten mit Dauermagneten und solche, die mit Elektromagneten einen kurzen, starken Impuls erzeugen.

So funktioniert ein Degausser

Der Datenträger wird in eine Kammer oder auf eine Fläche des Degaussers gelegt. Das Gerät baut ein Feld auf, das den Datenträger vollständig durchdringt. Entscheidend sind zwei Werte:

  • Feldstärke des Degaussers: Sie muss deutlich über der Koerzitivität des Datenträgers liegen. Hersteller geben sie in Oersted oder Gauß an.
  • Koerzitivität des Datenträgers: Moderne Festplatten und Bänder speichern sehr dicht. Dafür nutzen sie Materialien, die ihre Magnetisierung besonders fest halten. Ein älterer oder schwacher Degausser reicht dafür unter Umständen nicht aus.

Bei einer Festplatte zerstört ein ausreichend starkes Feld nicht nur die Nutzdaten, sondern auch die sogenannten Servospuren. Das sind werkseitig geschriebene Markierungen, mit denen der Lesekopf seine Position findet. Ohne sie ist die Festplatte nicht mehr nutzbar. Bei vielen modernen Magnetbändern gilt dasselbe. Degaussing ist deshalb in der Praxis meist eine Endstation: Der Datenträger kann danach weder weiterverkauft noch wiederverwendet werden.

Wo Degaussing eingesetzt wird

Supports de données Speicherprinzip Wirkt Degaussing?
HDD (Festplatte) magnetisch Ja, wenn die Feldstärke zur Koerzitivität passt; Festplatte ist danach in der Regel unbrauchbar
Magnetband (z. B. LTO) magnetisch Ja, wenn die Feldstärke ausreicht; moderne Bänder stellen hohe Anforderungen
Disketten, Magnetstreifenkarten magnetisch Ja, schon mit vergleichsweise schwachen Geräten
SSD, USB-Stick, Speicherkarte Flash-Speicher (elektrisch) Nein, die Daten bleiben erhalten
Hybrid-Festplatte (SSHD) magnetisch und Flash Nur teilweise; der Flash-Cache bleibt unberührt
CD, DVD, Blu-ray optisch Non

Eingesetzt wird Degaussing vor allem dort, wo große Mengen magnetischer Datenträger anfallen, die nicht weiterverwendet werden sollen, etwa Bandarchive aus Rechenzentren. Wer ein Magnetband (LTO) oder eine HDD wiederverwenden oder verkaufen möchte, braucht dagegen ein Löschverfahren, das den Datenträger funktionsfähig lässt.

Merksatz: Degaussing löscht nur, was magnetisch gespeichert ist – und nur, wenn das Gerät stark genug für den Datenträger ist. Eine SSD übersteht jeden Degausser mit vollständigen Daten.

Grenzen und Risiken

  • Kein Schutz bei Flash-Speicher: SSDs, USB-Sticks und Speicherkarten speichern elektrisch. Das Magnetfeld ändert daran nichts. Die US-Richtlinie NIST SP 800-88 nennt genau diesen Fall als Beispiel: Der Vorgang läuft fehlerfrei durch, aber keine Daten sind bereinigt.
  • Zu schwache Geräte: NIST SP 800-88 in der Revision 2 vom September 2025 weist darauf hin, dass viele vorhandene Degausser für Datenträger mit hoher Koerzitivität nicht genug Kraft haben.
  • Unbrauchbar, aber nicht gelöscht: Ein Feld kann die Servospuren beschädigen und das Laufwerk lahmlegen, ohne alle Daten auf den Scheiben sicher zu entfernen. Von außen sieht beides gleich aus.
  • Schwer zu prüfen: Nach dem Degaussing lässt sich eine Festplatte meist nicht mehr ansprechen. Ein Auslesetest als Kontrolle ist dann kaum möglich. Geprüft wird vor allem, ob das Gerät korrekt gearbeitet hat.
  • Kein Weiterverkauf: Der Restwert des Datenträgers geht verloren.

NIST SP 800-88 Rev. 2 zählt Degaussing zu den physischen Purge-Verfahren, stellt aber ausdrücklich fest, dass es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht als anerkanntes Destroy-Verfahren gilt. Für Details verweist die Richtlinie auf den Standard IEEE 2883 und Vorgaben der NSA. Viele Sicherheitskonzepte kombinieren das Entmagnetisieren deshalb mit einer anschließenden physischen Vernichtung.

Beispiel: Bandarchiv und Server-Festplatten aus einem Rechenzentrum

Ein vereinfachtes Beispiel zeigt, wie die Entscheidung in der Praxis aussehen kann. Ein Unternehmen löst einen Serverraum auf. Übrig bleiben ältere Magnetbänder, Server mit HDDs und Server mit SSDs.

  1. Die IT erfasst alle Datenträger mit Seriennummer und Typ in einer Liste und trennt magnetische von Flash-Speichern.
  2. Für die SSDs scheidet Degaussing aus. Sie werden softwarebasiert gelöscht oder, wenn das nicht möglich ist, physisch vernichtet.
  3. Die funktionsfähigen HDDs sollen weiterverkauft werden. Sie werden softwarebasiert gelöscht, damit sie nutzbar bleiben und ein Löschzertifikat je Seriennummer entsteht.
  4. Die alten Bänder werden nicht mehr gebraucht. Hier kommen Entmagnetisieren mit einem passenden Gerät und anschließende Zerkleinerung oder direkt die Vernichtung nach DIN 66399 in Frage.

Das Beispiel zeigt: Nicht der Datenträger an sich entscheidet, sondern die Kombination aus Speichertechnik, gewünschter Weiterverwendung und Nachweis. Wann Löschen günstiger ist als Vernichten, erklärt unser Ratgeber Festplattenvernichtung: Kosten und Alternativen.

Degaussing in der IT-Ausmusterung und bei Second IT

Für die physische Vernichtung von Datenträgern ist in Deutschland die Norm DIN 66399 maßgeblich. Sie beschreibt Sicherheitsstufen für die Zerkleinerung, unterteilt nach Materialklassen wie H für Festplatten und T für magnetische Datenträger wie Bänder. Welche Stufe für welche Daten passt, erklärt unser Ratgeber DIN 66399: Schutzklassen und Sicherheitsstufen.

Second IT setzt auf zwei Wege, die den Datenträger und seine Daten eindeutig dokumentieren: Funktionsfähige HDDs, SSDs und Mobilgeräte werden mit Blancco gelöscht, mit digital signiertem Löschzertifikat je Gerät. Datenträger, die sich nicht löschen lassen, etwa defekte Medien, werden im eigenen Haus nach DIN 66399 mit Sicherheitsstufe H-5 zerkleinert. Die Vernichtung ist videoüberwacht und wird per Seriennummer und Vernichtungszertifikat dokumentiert. Mehr dazu unter Datenträgervernichtung im eigenen Haus.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Degaussing ist ein physisches Verfahren, aber keine Zerkleinerung. Ein Festplattenschredder zerstört den Datenträger mechanisch in Partikel einer festgelegten Größe. Softwarebasiertes Überschreiben und Befehle wie Secure Erase arbeiten dagegen über die Schnittstelle des Laufwerks und erhalten es funktionsfähig. Den Oberbegriff für alle Verfahren, die Daten unwiederbringlich entfernen, beschreibt der Eintrag Data Sanitization.

Häufige Fragen zum Degaussing

Was macht ein Degausser?

Ein Degausser erzeugt ein starkes Magnetfeld, das die magnetische Ausrichtung auf Festplatten, Bändern oder Disketten zerstört. Ist das Feld stark genug für den Datenträger, sind die gespeicherten Daten danach nicht mehr lesbar.

Kann man eine SSD entmagnetisieren?

Nein. SSDs speichern Daten elektrisch in Flash-Zellen, nicht magnetisch. Ein Degausser hat darauf keine Wirkung. SSDs werden mit geeigneter Löschsoftware oder herstellerseitigen Löschbefehlen bereinigt oder physisch vernichtet.

Ist eine Festplatte nach dem Degaussing noch nutzbar?

In der Regel nicht. Das Magnetfeld zerstört auch die Servospuren, die der Lesekopf zur Orientierung braucht. Die Festplatte lässt sich danach meist weder neu beschreiben noch weiterverkaufen.

Reicht Degaussing als Nachweis für die DSGVO?

Das Verfahren selbst ist kein Nachweis. Sie brauchen ein Protokoll je Datenträger mit Seriennummer, Gerät, Datum und Ergebnis. Weil sich entmagnetisierte Festplatten kaum noch prüfen lassen, kombinieren viele Unternehmen Degaussing mit einer dokumentierten Vernichtung.

Löschen mit Zertifikat oder Vernichtung nach DIN 66399 – je nach Datenträger.

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